Kommunikation ist Schöpfung!

von | Mai 29, 2019

Es wird permanent kommuniziert. Nicht nur durch Worte und Sprache, sondern durch jedes für Dritte wahrnehmbare Verhalten. Kommunikation kann Verbundenheit oder Abneigung erzeugen. Wird die Fähigkeit erfolgreich zu kommunizieren erlernt, können Hindernisse aus dem Weg geschafft und Ziele viel leichter verwirklicht werden.

Erfolgreiche Kommunikation ist erlernbar

Unbewusste Kommunikation erzeugt negative Gefühle, Misserfolg, Missverständnisse, Kampf und Anstrengung. Sowohl im privaten Umfeld als auch im Unternehmen wird in der Regel viel zu wenig Wert auf Kommunikation gelegt. Die wenigsten haben gelernt „richtig“ zu kommunizieren. Erfolgreiche Kommunikation reduziert Stress, schafft leichten und verspielten Erfolg und sorgt letztlich auch für körperliche, emotionale und vor allem mentale Gesundheit.

Die gute Nachricht: Erfolgreiche Kommunikation ist erlernbar.

Missglückte Kommunikation

Geht Kommunikation schief, wird dies in der Regel relativ unmittelbar wahrgenommen. Selten wird jedoch die Ursache bei sich selber gesucht. Häufig ist es der andere, der angeblich einfach nicht verstehen will, auf stur schaltet oder nicht zuhört. Die Ergebnisse sind häufig Unbehagen, Streit oder schlicht und einfach, dass das gewünschte Ergebnis der Kommunikation nicht erreicht wird. Den meisten geht es nur darum Recht zu haben und nicht durch erfolgreiche Kommunikation die eigentlichen Ziele zu erreichen. Viele sind sich gar nicht bewusst, was sie mit ihrer Kommunikation eigentlich erreichen wollen, sondern kommunizieren, was man halt in der Situation typischerweise kommuniziert. So wird zumindest unbehagliches Schweigen vermieden. Das Ergebnis ist aber frustrierend.

Die Realitätsinsel

Die meisten Personen akzeptieren ungern, dass missglückte Kommunikation immer ein „Senderproblem“ ist. Meistens wird die Schuld des Nicht-verstehens beim Gegenüber gesucht. Wird versucht, den anderen zu ändern, erkennt man schnell, wie wenig erfolgsversprechend dieses Unterfangen ist. Ein Gefühl der Machtlosigkeit ist vorprogrammiert. Der Begriff der Realitätinsel beschreibt gut, dass jeder Mensch auf seine eigene Wirklichkeit besteht und immer von „seiner“ Wahrheit bzw. Realitätsinsel aus kommuniziert. Diese ist geprägt von seinen Erfahrungen, Glaubenssätze, Wertesystemen und letztlich die Summe der Informationen die man bisher verarbeitet hat.

Eine solche Realitätsinsel kann sich grundsätzlich von der Realitätsinsel des Gesprächspartners erheblich unterscheiden. Der erste Schritt besteht immer darin, anzuerkennen, dass der Gesprächspartner mitunter eine ganz andere Realitätsinsel hat, von der aus der kommuniziert. Die Kunst erfolgreich zu kommunizieren bedeutet, in die Realitätsinsel des Gesprächspartners einzutauchen und von dieser Insel eine Brücke zur eigenen Realitätsinsel zu finden.

Der Versuch den anderen auf die eigene Realitätsinsel zu ziehen ist meist vergeblich. Diesen Versuch erkennt man ohne große Mühe etwa bei politischen Fernsehdiskussionen. Für beide Gesprächspartner ist der Standpunkt des jeweils anderen komplett unverständlich. Beide weigern sich auch nur einen Fuß auf die Realitätsinsel des anderen zu setzen. Ohne diese Bereitschaft ist erfolgreiche Kommunikation nahezu unmöglich.

Das Vier-Seiten-Modell von Schulz von Thun

Ein besonders spannendes Kommunikationsmodell ist das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun. Er geht davon aus, dass jeder Mensch immer auf 4 Ebenen kommuniziert, also sowohl Informationen empfängt (Kommunikationsohr), aber auch auf einem der Kanäle seine Informationen sendet. Zu Kommunikationsschwierigkeiten kommt es dann, wenn zwischen Sender und Empfänger nicht auf dem gleichen Kanal kommuniziert wird.

Die entscheidende Frage ist, auf welchem Kanal kommuniziere ich und empfängt mein Gesprächspartner auch auf diesem Kanal:

Sachebene – Was sind die Fakten?

Wird auf diesem Kanal kommuniziert, geht es in der Regel um objektive Informationen, die sachlich, neutral und ergebnisorientiert sind. Es gibt keine Zwischentöne und die Kommunikation ist relativ gefühllos.

Appell – Was ich mir von dir wünsche?

Hier geht es um einen Appell, nämlich was der andere tun soll. Sauber kommuniziert, wird dieser Appell auch als Aufforderung ausgedrückt. Es wird eine konkrete Handlung erwartet.

Beziehungsebene – Was ich zu dir denke, fühle, etc.

Hier werden Emotionen und Gefühle im Bezug zum anderen zum Ausdruck gebracht. Der Empfänger nimmt zur Kenntnis, wie der Sender ihn sieht und welche zwischenmenschlichen Informationen transportiert werden. Der Beziehungskanal ist sensibel, feinfühlig und empathisch. Umgekehrt neigt dieser Kanal dazu, dass der Empfänger gekränkt oder verärgert wird und alles persönlich nehmen könnte.

Selbstaussage – Was ich dazu fühle oder denke

Vom Sender wird kommuniziert, was ihn gerade bewegt und wie es ihm geht. Es handelt sich in der Regel um ichbezogene Botschaften die weniger instabil sind als auf dem Beziehungskanal.

Verwechslungen des Kommunikationskanals

Der Satz:

Die Akte von Herrn Huber liegt auf dem Tisch

Kann je nach Kanal eine ganz unterschiedliche Bedeutung haben und je nach Kanal auch ganz unterschiedliche Wirkung erzeugen oder Absicht haben:

Es kann sich um eine reine Sachinformation handeln (Sachebene), es kann aber auch damit ein Appell verbunden sein, diesen Akt zB unverzüglich im Aktenschrank abzulegen. Handelt es sich aber beispielsweise bei der Akte von Herrn Huber um etwas Persönliches zwischen dem Sender und Herrn Huber, kann damit auch beispielsweise das Misstrauen oder die Enttäuschung darüber zum Ausdruck gebracht werden, dass der Empfänger nunmehr offensichtlich diese Akte bearbeitet (Beziehnungsebene). Es wäre aber auch eine Selbstaussage möglich, etwa wenn der Sender damit einfach zum Ausdruck bringen will, dass er aktuell am Bearbeiten dieses Aktes ist (Selbstaussageebene). Wird diese Ebene bewusst umgedeutet, könnte zB bei einer heftigeren Reaktion des Empfängers, der die Information beispielsweise richtig auf der Beziehungsebene verstanden hat („Was soll dieser Vorwurf?“) auf einer reinen Sachebene geantwortet werden („Ich hab ja nur gesagt dass die Akte von Herrn Huber auf dem Tisch liegt“). Dieses bewusste Vertauschen der Kommunikationsebene praktizieren oft Anwälte im Gerichtsverfahren, um sich Vorteile zu schaffen.

Wie kommuniziert man erfolgreich?

Zusammengefasst dargestellt, gelingt erfolgreiche Kommunikation dann, wenn entweder eine gemeinsame Schnittmenge der Realitätsinsel vorhanden ist, auf der Kommunikation aufgebaut werden kann oder zumindest ein Zugang zur Realitätsinsel des Empfängers gefunden wird.

Wird klar auf einem Kommunikationskanal kommuniziert, entstehen weniger Missverständnisse und dadurch eine erfolgreichere Kommunikation. Dies beinhaltet zum einen das Bewusstsein darüber, was überhaupt kommuniziert werden soll (klare Absicht), zum anderen auch, ob die Form (zB der Kommunikationskanal) die richtige ist. Um sicherzustellen, dass beim Empfänger dies auch so verstanden wurde, wie gewünscht, hilft ein einfaches Rückfragen bzw. notwendigen falls auch Klarstellen.